Was ist eigentlich mit Lacontra passiert?

Die kurze Version:

Binärformat ist der neue Name meines Portfolios.

 

Die etwas längere Version:

Zu der Zeit, als der Name „Lacontra“ für mein Portfolio entstand, hatte ich noch eine sehr negatives Bild von Medien. Umso mehr ich micht mit Medien beschäftige, umso mehr bekam ich das Bild eines mächtigen Werkzeuges, das ausschließlich zum Vermitteln von Lügen und Propaganda genutzt wird. Meine damalige Selbstwahrnehmung als Medienschaffender bringt das Anfangszitat des Filmes „39,90“ sehr gut auf den Punkt:  „…Ich bin Werbefachmann, einer von denen der sie von Dingen träumen lässt die es für sie niemals geben wird, ständig blauer Himmel, makellose Mädchen, perfektes Glück retuschiert mit Photoshop…“ Eine grauenvolle Jobbeschreibung für einen Idealisten wie mich.

Um in dieser rießigen Medienmaschinerie arbeiten zu können und gleichzeitig nicht meine Ideale verraten zu müssen, habe ich mein Portfolio „Lacontra“ genannt. Ein elegant klingender Name, der international verständlich ist und den Wiederstand in sich trägt. Das Konzept dabei war, mein kritisches Denken über Konsum und Medien in meine Arbeit einfließen zu lassen. Etwas dem Mainstream wie „RTL“, „Red Bull“ oder „Amazon“ entgegenzusetzen. Oder theatralisch ausgedürckt: Diesem Mainstream einen Spiegel durch seine eigene Funktionsweise vorzusetzen. Daher beschäftigen sich meine freien Arbeiten schon immer viel mit sozialen und ökologischen Missständen.

Meine Ideale sind zwar bis heute gleich geblieben, jedoch hat sich mein einseitig kritisches Denken differenziert. Heute sehe ich Medien als neutrales Werkzeug an, dass man für verschiedene Zwecke nutzen kann. Mann kann damit Menschen von unnützen Konsumgütern träumen lassen oder damit das soziale oder ökologische Bewusstsein fördern. Dieses differenzierte Bild von Medien bekam ich durch viele Projekte und Kunstausstellungen, die zwar alle die Mittel der Werbeindustrie nutzten, jedoch diese zum Fördern von kritischen Denken einsetzten. Zudem kommt eine mit der Lebenserfahrung wachsende Fähigkeit des Perspektivenwechsels. Jedes Handeln ist nicht schwarz oder weiß, sondern je nach Wahrnehmung des Betrachters eine individuelle Einordnung. Werbung für Bio-Produkte beispielsweise fördert das ökologische Bewusstsein, macht jedoch gleichzeit Werbung für ein Konsumgut, dass unter Umständen nicht benötigt wird. Ein unauflösbares Dilemma, das weder der Ersteller, noch der Betrachter lösen kann.

Daher enthält der neue Name „Binärformat“ keine idiologische Nachricht, sondern kehrt zu meiner ursprünglichen Kompetenz zurück: Design und Technik. Eine neutrale Basis, deren Aussage nun nicht mehr durch einen Namen deffiniert wird, sondern durch die Arbeiten, die darauf zu finden sind.